Grußadressen zum Hiroshima-Tag

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Unterschätzt nicht die Gefahr der Atomwaffen!

Dr. Erwin  Bader
ao.Univ.-Prof. i.R.
2016
   https://homepage.univie.ac.at/Erwin.Bader/
Liebe Friedensfreunde und Friedensfreundinnen!

Unterschätzt nicht die Gefahr der Atomwaffen!

Wie wir lesen müssen, erwarten wir künftig statt Abrüstung der Atomwaffen – Aufrüstung durch technisch verbesserte Kernwaffen, die angeblich möglichst zielgenau treffen und zerstören können. Es wird aber keine zielgenaue Atombombe geben ohne unterschiedslose massenhafte Tötung der Zivilbevölkerung und ohne qualvolle Spätfolgen wie in Hiroshima und Nagasaki, mit einer Wirkung, die ähnlich der üblichen Definition eines Kriegsverbrechens ist! Wenn schon konventionelle Waffen erschreckende "Kollateralschäden" zur Folge haben, wie grausam ist dann erst die Anwendung von Atomwaffen - selbst wenn diese "verbessert" werden sollten!

Und vor allem: Der Terror, die Hauptgefahr unserer Zeit, lässt sich wohl kaum mit der Atomwaffe verhindern! Warum rüsten die Staaten dann mit neuen Kernwaffentypen auf? Ist es das Gewinnstreben gewisser Firmen? Oder wollen manche Wissenschafter bloß zwanghaft alles realisieren, was der technische Fortschritt erlaubt? Auch wenn diese Art von Fortschritt den Untergang der Menschheit bringen kann?

Leider rangiert das Sicherheitsinteresse auch beim zum Schutz vor Folgen der Ökologie- und Klimakrise weit hinten! Besteht denn das Höchste in unserer Zeit nur noch darin, dass die Technik die Wünsche des Finanzkapitals nach mehr Gewinn erfüllt? Schläfert etwa das ständige Streben nach Wirtschaftswachstum durch technische Neuerungen das eigentliche Denken ein? Gibt es denn nichts Wahres, Gutes und Schönes mehr? Braucht der Mensch keine Verantwortung gegenüber der Natur und den Mitmenschen und schon gar nicht vor Gott?

Schon Heidegger kritisierte die Technik ohne Verantwortung mit den Worten: "Die Wissenschaft denkt nicht". Angesichts der Hartnäckigkeit, mit der auch heute an der widervernünftigen Atomwaffentechnik gefeilt wird, zeigt sich, was er offenbar gemeint hat. Das Wort Technik drückt ja nur aus, dass ein Ziel durch ein wissenschaftlich ausgeklügeltes Verfahren erreicht werden soll - aber das Ziel selbst steht dabei nicht in Frage! Auch das Töten von Menschenmassen durch Atomwaffen ist anscheinend o.k., wenn nur das Interesse der NATO gesichert scheint und die Technik auf höchstem wissenschaftlichen Niveau steht. Nur so ließe sich erklären, dass trotz der unglaublichen Unvernunft, die durch die Anwendung der Atomwaffen zum Ausdruck kam, ein Teil der Menschheit vor dieser Waffe (wie vor einem Gott) in größter Hochachtung erstarrt. Von diesem Denkfehler haben wir uns offenbar noch immer nicht befreit. Noch immer wird in der Politik die Anwendung der Atomwaffe nicht als Kriegsverbrechen angeklagt - und die Herstellung neuer Atomwaffen als Vorbereitung von Kriegsverbrechen!

Wie sollte man den Terroristen klar machen, dass sie mit dem Töten wehrloser und unschuldiger Menschen aufhören sollten, wenn sich die USA für das massenhafte Töten und das Quälen durch Spätfolgen in Hiroshima und Nagasaki noch immer nicht entschuldigt hat?





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