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Sind wir auf dem Weg zu einem atomwaffenfreien Weltkrieg?

Dr. Erwin  Bader
Ao.Univ.-Prof. i. R.
2017
   https://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Bader
Nun haben wir einen rechtlich bindenden Beschluss der Vereinten Nationen vom 7. Juli 2017 zum Verbot von Nuklearwaffen. Dieser könnte ein wichtiger Teilerfolg zu einem Weltfrieden sein, wenn er nicht gravierende Schönheitsfehler hätte. Wenig zuversichtlich stimmt, dass kein Nuklearwaffenstaat und kein Nato-Verbündeter an der Konferenz teilgenommen hatm, außer den Niederlanden, die aber erwartungsgemäß dagegen stimmten. Was ist das für ein Vertrag, wenn ihn die wichtigsten Staaten gar nicht unterzeichnet haben? Dass der Vertrag rechtlich binden ist und die Besorgnis über die humanitären Konsequenzen des Einsatzes von Nuklearwaffen ausgedrückt wird sowie dass die völligen Vernichtung von Nuklearwaffen gefordert wird, ist zumindest theoretisch ein historischer Erfolg – aber werden die weltweiten Kriegsgefahren dadurch geringer? In Wirklichkeit wird die ohnehin in einen eher friedlichen und einen ziemlich friedlosen Teil zerfallende Welt jetzt noch zusätzlich in zwei Hälften gespalten, auf der einen Seite einige meist eher reiche, industrialisierte, anerkannte Atommächte, die weltpolitisch traditionelle Schwergewichte sind – und auf der anderen Seite die übrigen Staaten der Welt, die zahlenmäßig die Mehrheit in der UNO ausmachen. Auf vielen Seiten gibt es gegenseitiges Misstrauen und die weltweiten Kriegsherde schaffen keine gute Ausgangslage für einen globalen Frieden. Ein Problem ist eigentlich, dass der Beschluss eine Art Überrumpelung, ein politischer Akt der Überstimmung einer Seite durch die andere darstellt und nicht einvernehmlich zustande kam. Einige warnen, der ersatzlose Wegfall der Abschreckung könnte zu einem atomwaffenfreien Weltkrieg führen. Andere fürchten sich vor einem Einsatz von Atomwaffen durch radikale oder gar kriminelle Mächte. So gesehen ist trotz des neuen Vertrages die Gefahr der atomaren Zerstörung der Welt nicht wirklich gebannt.

Dennoch muss man allen, die zu diesem Teilerfolg beigetragen haben, dankbar sein und dazu aufrufen, bei der noch zu leistenden Arbeit nicht müde zu werden, um die Welt friedlicher zu machen. Eine echte Lösung wird erst möglich, wenn sich allgemein in der Welt das Bewusstsein der Priorität der Friedenserhaltung durchsetzt. Dass das derzeit nicht der Fall ist, zeigen die zahlreichen Kriege in der ganzen Welt. Diese und die vielen Terrorattacken ließen sich freilich durch die Angst vor einem Atomschlag im Sinne der Abschreckungsmaxime ohnehin nicht zähmen.

Worauf sollte also künftig vor allem Wert gelegt werden? Ich meine, dass ohne einen auf die Friedenserhaltung fokussierten Dialog aller Religionen und Kulturen mit dem Ziel, ein verbindliches Postulat der Priorität des Friedens für alle Menschen aller Religionen und Weltanschauungen und damit zugleich auch für die in allen Einzelstaaten gültige Rechts- und Staatsordnung zu formulieren, die Welt nicht friedlich werden kann.





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