Grußadressen zum Hiroshima-Tag

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Hiroshima-Tag 2018

Dr. Walter  Baier
Politischer Koordinator, transform! europe
2018
   https://www.transform-network.net/de/netzwerk/autorinnen/detail/walter-baier/
Die vergangenen 12 Monate waren trotz der Bemühung vieler Wohlmeinender kein gutes Jahr für den Frieden. Die Schreckensbilder aus den Kriegen in Syrien, in Afghanistan und im Jemen haben wir alle noch vor Augen. Und wie nahe manövrierten Atommächte im letzten Jahr am Rande einer weltweit tödlichen Konfrontation und konnten sie im letzten Moment erst abwenden? Kann aber auf Dauer das Überleben der Menschheit auf eine "Last-Minute"-Vernunft gegründet werden, die gerade noch das Schlimmste vermeidet?

Der Wechsel an der Spitze der USA hat Europa mit einem alten Dilemma konfrontiert und seine Lösung als dringende Aufgabe auf die Tagesordnung gesetzt. Will es den Interessen seiner Einwohler_innen dienen, das heißt ihr friedliches, sicheres Zusammenleben garantieren, so muss es seinen Platz in der Weltwirtschaft und Weltpolitik neu bestimmen. Die Alternative lautet, ob es sich durch neokolonialistische Handelspolitik und militärische Aufrüstung einen "Platz an der Sonne" innerhalb der imperialistischen Weltordnung, die heute entsteht, erobern, oder ob es mit seinem wirtschaftlichen und geistigen Potential an der Behebung der Probleme arbeiten will, die die menschliche Zivilisation in ihrem Bestand bedrohen, den Klimawandel und die globale Ungleichheit?

Dass dem positiven Ausweg aus den Krisen mächtige wirtschaftliche Interessen entgegenstehen, muss immer wieder erinnert werden. Der menschenrechtwidrige, verachtenswerte Umgang der reichsten unter den Mitgliedsstaaten der EU und der EU mit den Hilfesuchenden, die das europäische Festland zu erreichen versuchen, werfen aber zudem ein schreckliches Licht auf das niedrige intellektuelle und ethische Niveau der Regierenden. Unter ihrer Führung ist nicht vorstellbar, dass Europa sich zu einem Akteur für globale Gerechtigkeit und weltweiten ökologische Nachhaltigkeit entwickelt.

Leider zeigen die Wahlergebnisse der letzten Jahre aber auch, dass große Teile der Bevölkerungen die Probleme der heutigen Zeit ausschließlich als Bedrohung und nicht als Herausforderung annehmen, in neuen zivilisatorischen Maßstäben zu denken und zu handeln. Ihre -- berechtigte -- Zukunftsangst wird so zum Stoff, aus dem Rechtsradikalismus, Rassismus und Nationalismus sich nähren. Doch nirgendwo und zu keiner Zeit haben diese Ideologie einen Ausweg aus Krisen im Interesse der Völker gewiesen, sondern die Übel und die Gefahren ins Unermessliche gesteigert.

In einer solchen Zeit wird der geistige Kampf um die Zukunft in allen gesellschaftlichen Sphären, und auch in der Zivilgesellschaft geführt. Umso größere Bedeutung kommt den Stellungnahmen humanistischer Bewegungen und der Kirchen zu. "Kapitalismus tötet", sagt Papst Franziskus. "Die Waffen nieder" lautet die von Bertha v. Suttner formulierte Botschaft der pazifistischen Bewegungen, und mit dem Aufruf zur Vereinigung der "Proletarier aller Länder" schließt das Gründungsdokument der sozialistischen Arbeiter_innenbewegung, das Kommunistische Manifest.

Die Welt in der wir leben, erfordert die Zusammenführung dieser und vieler anderer Bewegungen, um den Herrschenden den Weg in den Abgrund, in den sie die Menschheit führen, zu verbauen.

Daran vor allem sei am Hiroshima-Tag erinnert.




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